Klaus GotteslebenLieber Klaus, Du bist seit 2002 Präsident des DTFB. Was gehört eigentlich zu Deinen wichtigsten Aufgaben?
Das ist etwas, was sich im Laufe der Jahre kontinuierlich geändert hat. Zu Beginn meiner Präsidentschaft ging es lediglich darum, Tischfußball in Deutschland am Leben zu halten. Die elektronischen Spiele hatten die Kickertische im großen Stil vertrieben und die Ligabetriebe bröckelten. Und Landesverbände gab es nur im Saarland, Bayern, Hessen plus den Kickerverband Kleve mit einer Liga am Niederrhein. In den ersten Jahren hatte also oberste Priorität, überall in Deutschland Tischfußballinteressierte zu finden, um mit ihnen gemeinsam Strukturen (Verbände, Vereine) zu gründen und nachhaltigen Aufbau zu betreiben. Das war anfangs recht zäh, da die Richtigen gefunden werden mussten und viel Überzeugungsarbeit erforderlich war. In den Jahren 2005 bis 2008 kam es dann zu einer Vielzahl von Landesverbandsgründungen und es ging ein positiver Ruck durch die Szene. Ausgelöst war das auch durch den ITSF World Cup in Hamburg im Jahr 2006, bei dem die Aktiven erstmals nach einem einheitlichen Regelwerk spielten. Dies war ein wichtiges Zeichen, um den Glauben daran zu geben, dass Tischfußball wirklich weltweit zu einem regulären Sport vereinheitlicht werden kann. Danach begannen die Zeit der Weiterentwicklung mit den neuen nationalen Ligabetrieben für Damen, Senioren und Junioren sowie der Aufbau des Turnierwesens bis hin zu der überaus erfolgreichen Challengertour. Meine Hauptaufgabe sehe ich mittlerweile darin, neben dem Tagesgeschäft unseren vielen Mitstreitern beim DTFB und in den Landesverbänden das positive Umfeld zu bewahren, das die Entwicklung in den vergangenen Jahren ermöglicht hat und den Rücken freizuhalten, wenn es darum geht, neue Dinge zu testen.

Wie lange spielst Du selbst Tischfussball und was war Dein größter Erfolg?

Ich habe schon als Kind auf Stühlen gestanden, um Kickern zu können. Die Funktionärstätigkeit begrenzt leider die Möglichkeit, regelmäßig aktiv an Wettkämpfen teilzunehmen. Die schönsten und mir persönlich wichtigsten Erfolge waren die

vielen regionalen und nationalen Titel mit meinem Heimatverein Braddock Burbach, bei dem ich Gründungsmitglied bin. Und wenn ich mich nicht täusche, sind Mehmet Kosar und ich gemeinsam noch immer das einzige deutsche Team, dem es gelungen ist, einen Collignon bei einem WCS-Turnier im Doppel aus dem Turnier zu werfen.

Der Tischfussball boomt nachwievor in Deutschland und ein Ende ist noch lange nicht in Sicht. Mittlerweile gibt es in fast jeder Region Tischfussball-Vereine. Kannst Du Zahlen nennen, wieviele aktive Tischfussball-Spieler es gibt in Deutschland?
Ende 2015 waren es knapp über 7.000 Aktive, die in 375 Vereinen beim DTFB gemeldet waren. Ich hoffe, die Einschätzung, dass es so weiter geht, bewahrheitet sich. Wenn man sieht, dass es in vielen Nationen um uns herum kontinuierlich abwärts geht, wird klar, dass die positive Entwicklung in Deutschland kein Selbstläufer ist. Unser großes Pfund ist, dass wir in den vergangenen Jahren unseren Schwerpunkt auf den nachhaltigen Aufbau von Vereinsstrukturen und die damit verbundenen Ligabetriebe gelegt haben und dass diese Vereine für Stabilität sorgen. Und dass die Challengerserie, die im vergangenen Jahr 127 Turniere umfasste, so schnell so groß werden würde, hat selbst die kühnsten Optimisten in unseren Reihen überrascht. Mit der Fokussierung auf die Basis haben wir scheinbar den richtigen Weg eingeschlagen, auch wenn sich das nicht immer mit der Meinung der traditionell spitzenspielerorientierten Szene deckte.

Werden wir jemals ein Tischfussball-Match auf einer Olympiade erleben?
Aktuell ist das ganz weit weg und hängt sicherlich mit der weltweiten Entwicklung unseres Sports zusammen. Hier gilt es, in den kommenden Jahren auf allen Kontinenten Tischfußball zu etablieren. Einen weiteren Schritt in diese Richtung ist der ITSF mit der Installation von kontinentalen Verbänden im abgelaufenen Jahr gegangen. Zusätzlich wurden die Disziplinen Speedball und Classic mit eigenen Weltranglisten eingeführt, um die zigtausend Spieler, die weltweit diese Stile pflegen, in die Tischfußballfamilie integrieren zu können. Unser Fokus beim DTFB liegt weiterhin auf der uneingeschränkten Anerkennung unseres Sports durch den DOSB bzw. vorab auf der Aufnahme möglichst aller unserer Mitgliedsverbände in die jeweiligen Landessportbünde. Das ist zurzeit Herausforderung genug, auch wenn die Tendenz positiv ist.

Momentan gibt es mit Leonhart, Ullrich, Bonzini, Tornado und Lettner fünf offizielle DTFB-Tische. Wird dies in den kommenden Jahren so bleiben oder wird es Änderungen geben?
Das ist etwas, was wir von Jahr zu Jahr in unserer sogenannten Präsidentenrunde gemeinsam mit den Vorsitzenden aller Landesverbände entscheiden. Mit den Herstellern schließen wir immer nur Einjahresverträge. So können sowohl wir als auch die Hersteller ohne Zwänge jeweils am Jahresende bewerten, ob die Zusammenarbeit positiv war und im Folgejahr fortgesetzt werden soll. Bisher fiel das Fazit von allen Beteiligten jeweils positiv aus und so konnten wir für Kontinuität in diesem Bereich sorgen. Ich hoffe, dass dies im Großen und Ganzen auch zukünftig so bleibt. Ohne die Unterstützung unserer Tischpartner wären wir lange nicht da, wo wir heute sind.

Oftmals wird im TOC-Forum über die „DTFB-Norm“ diskutiert, doch viele können mit diesem Begriff nicht viel anfangen. Was zählt alles zu einer DTFB-Norm und müssen offizielle DTFB-Kickertische diese Norm erfüllen?
Der Begriff DTFB-Norm entstand, als wir uns als DTFB im Jahr 2005 erstmals an der Entwicklung eines Kickertisches, dem Tecball, beteiligten. Maßgeblich begleitet wurde dies von unserem damaligen Vorstandsmitglied Peter Müller, der für viele Innovationen im Bau von Kickertischen sorgte. Da der neue Tisch auf der grünen Wiese ohne zeitlichen Druck entstand, konnte jedes einzelne Bauteil bewertet und neu definiert werden. Der Begriff DTFB-Norm implizierte stabil stehende Tische mit einem hohen Tor, Hohlstangen, wirkungsvollen Puffern und runden Griffen. Heutzutage machen wir den Herstellern keine Vorgaben mehr, da der Wettbewerb, die Vergleichbarkeit und die Transparenz, die wir durch die Partnerschaften mit mehreren Herstellern innerhalb unserer Strukturen geschaffen haben, für uns ausreichend erscheinen, um qualitativ hochwertiges Material zu haben.

Auf welche Highlights dürfen wir in 2016 gespannt sein?
Der Terminkalender ist auch in diesem Jahr wieder prallvoll und unsere Aktiven dürfen sich auf viele interessante Veranstaltungen freuen. Für mich persönlich sind die Finalwochenenden aller Bundesligen immer wieder ganz besondere Highlights, da es dort extrem emotional zugeht. Die Höhepunkte für die Turnierspieler sollten u.A. das World Series Turnier auf Leonhart, die komplett überarbeiteten German Multitable Open, die neu gestalteten Battle of Champions auf DTFB- und Landesverbandsebene und zum Jahresabschluss die Deutschen Meisterschaften im Center Park sein. Besonderen Spaß bringt unser Auftaktturnier im Partyhaus Landsknecht, bei dem wir als weiteres Bonbon einen neuen Teammodus anbieten.